Pkw-Neuzulassungen in Westeuropa: Mai 2015

Pkw-Neuzulassungen in Westeuropa: Mai 2015

Trotz geringer Zahl an Arbeitstagen: Neuzulassungen bleiben im Plus

Im Mai 2015 erreichten die Pkw-Neuzulassungen in Westeuropa ein Plus von knapp einem Prozent und stiegen auf circa 1,07 Millionen.

Damit ist die Nachfrage zum 21. Mal in Folge gestiegen und nach fünf Monaten liegt sie um fast sieben Prozent über der des vergleichbaren Vorjahreszeitraums. Das geringe Wachstum im Mai ist auf die vielen Feiertage in einigen Ländern zurückzuführen. Insgesamt lagen die Neuzulassungen tendenziell über den Erwartungen.

Von den fünf großen Märkten erzielte Spanien mit plus 14 Prozent aufgrund der verlängerten Verschrottungsprämie (PIVE 8) wieder das stärkste Wachstum. Die Neuzulassungen liegen nach fünf Monaten um fast 22 Prozent über der Vorjahresperiode.

Italien entwickelte sich mit plus elf Prozent ebenfalls überdurchschnittlich und liegt nach fünf Monaten 15 Prozent im Plus. Auch wenn die letzten Monate durch eine Reihe von zusätzlichen Mietwagenzulassungen im Rahmen der Expo geprägt waren, ist hier ein sehr dynamischer Aufholprozess zu beobachten.

Großbritannien lag trotz eines bereits hohen Niveaus mit plus 2,4 Prozent ebenfalls über den Erwartungen. Nach fünf Monaten liegen die Neuzulassungen fast sechs Prozent im Plus.

Deutschland entwickelte sich mit minus 6,7 Prozent etwas unter den Erwartungen was aber an der Lage der Feiertage und den damit verbunden Kurzurlauben vieler Haushalte gelegen haben wird. Generell ist auch hier weiterhin eine positive Dynamik der Nachfrage zu beobachten.

Frankreich verzeichnete auch das erwartete Minus. Es fiel mit vier Prozent etwas schwächer aus als in Deutschland. Nach fünf Monaten liegen die Neuzulassungen hier, ähnlich wie in Deutschland, um knapp vier Prozent im Plus.

Die Stimmung der Verbraucher ist im Moment sicherlich von der Verunsicherung bezüglich der weiteren Entwicklung in Griechenland geprägt. Daher ist es nicht verwunderlich, dass in allen großen Märkten das Verbrauchervertrauen rückläufig war. Frankreich und Italien fielen noch weiter in den negativen Bereich; sicherlich auch ein Ergebnis interner wirtschaftlicher und politischer Probleme. Die Verbraucherindizes in Spanien und Deutschland gingen zwar auch zurück, sind aber noch leicht positiv. Sorgen bereitet die Entwicklung in Großbritannien: Zwar ist die Stimmung der Verbraucher in Durchschnitt noch leicht positiv, der dramatische Rückgang stimmt aber bedenklich. Es bleibt abzuwarten wie sich der Wahlausgang in den Ergebnissen nächsten Monat auswirkt.

Das Industrievertrauen in Frankreich und Italien spiegelt das wider was die Verbraucher empfinden. In Deutschland hat es sich zwar leicht verbessert, liegt aber immer noch im negativen Bereich. Hier machen sich offensichtlich die Risiken die in künftigen Exportaussichten liegen bemerkbar. Die Industrie in Großbritannien teilt die Skepsis der Verbraucher offensichtlich nicht: Das Industrievertrauen liegt hier im optimistischen Bereich, mit positiver Tendenz. Bemerkenswert ist der Optimismus der spanischen Industrie, wobei sicherlich die erwarteten erhöhten Konsumausgaben im Rahmen der neu aufgelegten Verschrottungsprämie PIVE 8 eine Rolle spielen.

Aufgrund der erhöhten Nachfragedynamik der letzten Monate und leicht verbesserter wirtschaftlicher Rahmenbedingungen werden in Westeuropa für das Gesamtjahr 2015 circa 12,89 Millionen Neuzulassungen, ein Plus von über sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr, erwartet.

Diese Entwicklung wird getrieben durch die erwarteten hohen Zuwächse in Spanien (plus 17 Prozent) und in Italien mit plus zwölf Prozent. Während das Wachstum in Spanien auch durch die mehrmals verlängerte Verschrottungsprämie generiert wird, liegt in Italien ein organisches Wachstum aufgrund eines sehr hohen Nachholpotenzials vor.

Frankreich wird mit knapp fünf Prozent ein unterdurchschnittliches Wachstum aufweisen. Die Nachfrageentwicklung der ersten Monate und ein niedriges Verbrauchervertrauen sprechen im Moment gegen eine stärkere Erholung.

Deutschland wird mit über vier Prozent ebenfalls weniger stark als Westeuropa insgesamt wachsen. Das hohe Angebot an Gebrauchtwagen aufgrund mangelnder Nachfrage aus dem Ausland hat immer noch negative Auswirkungen auf die Neuzulassungen. Außerdem ist der Ersatzbedarfsdruck aufgrund der hohen Neuzulassungen 2009 im Rahmen der Verschrottungsprämie nicht so hoch wie in anderen Ländern.

Großbritannien hat die Krise hinter sich und das Vorkrisenniveau bereits überschritten. So ist für 2015 zwar mit einer weiteren Steigerung zu rechnen, allerdings wird das Plus mit fünf Prozent aufgrund des bereits erreichten Niveaus geringer ausfallen als letztes Jahr. Dennoch ist es das erste Land das sich anschickt, die Verluste seit 2008 zumindest teilweise zu kompensieren.

Auch wenn das Plus von über sechs Prozent für Westeuropa eine Prognose ist, die vor einigen Monaten noch nicht in dieser Höhe erwartet wurde, werden die Neuzulassungen 2015 dann immer noch um fast zwölf Prozent unterhalb des Vorkrisenniveaus der Jahre 2000 bis 2007 liegen. Es ist zwar nicht zu erwarten, dass das durchschnittliche Vorkrisenniveau auch das Durchschnittsniveau für die nächsten Jahre ist, aber dennoch besteht ein, von Land zu Land unterschiedliches Nachholpotenzial aus den Jahren seit 2008. Daher ist es vorhersehbar, dass von vielen die Entwicklung für die nächsten Jahre, ähnlich wie in 2015, deutlich unterschätzt wird.

Die größten Abweichungen und damit immer noch die – relativ zum Vorkrisenniveau – niedrigsten Neuzulassungen werden 2015 in Italien und Spanien zu verzeichnen sein. Hier sind auch für die nächsten Jahre die höchsten Wachstumsraten zu erwarten Frankreich dagegen ist schon wieder wesentlich näher an diesem Niveau und hat somit ebenso wie Deutschland einen wesentlich geringeren Nachholbedarf für die kommenden Jahre.

Von den fünf großen Pkw-Märkten hat einzig Großbritannien das Vorkrisenniveau bereits wieder überschritten. Hier haben Nachholeffekte aus dem Ersatzbedarf aufgrund schnellerer wirtschaftlicher Erholung bereits wesentlich früher eingesetzt als in anderen Ländern.

 

Alle Graphiken zu diesem Bericht einschließlich der Gesamtmarktprognosen für die westeuropäischen Einzelländer finden Sie unter:
Graphiken und Prognosen Mai 2015

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