Pkw-Neuzulassungen in Westeuropa: Juni 2015

Pkw-Neuzulassungen in Westeuropa: Juni 2015

Neuzulassungen bleiben auf einem gefestigten Wachstumskurs

Im Juni 2015 erreichten die Pkw-Neuzulassungen in Westeuropa ein Plus von fast 15 Prozent und stiegen auf circa 1,32 Millionen.

Damit ist die Nachfrage zum 22. Mal in Folge gestiegen und nach sechs Monaten liegt sie um fast sieben Prozent über der des vergleichbaren Vorjahreszeitraums. Das starke Wachstum im Juni ist zwar auch auf eine höhere Zahl an Arbeitstagen zurückzuführen aber auch um diesen Effekt bereinigt, befinden sich die Neuzulassungen insgesamt in Westeuropa auf einem gefestigten Wachstumskurs.

Von den fünf großen Märkten erzielte Spanien mit plus 23,5 Prozent aufgrund der verlängerten Verschrottungsprämie (PIVE 8) wieder das stärkste Wachstum. Die Neuzulassungen liegen nach sechs Monaten um 22 Prozent über der Vorjahresperiode.

Italien entwickelte sich mit plus 14,4 Prozent ebenfalls überdurchschnittlich und liegt nach sechs Monaten 15 Prozent im Plus. Auch wenn der Jahresanfang durch eine Reihe von zusätzlichen Mietwagenzulassungen im Rahmen der Expo geprägt war, ist hier ein sehr dynamischer Aufholprozess zu beobachten.

Großbritannien lag trotz eines bereits hohen Niveaus mit plus 12,9 Prozent ebenfalls über den Erwartungen. Nach sechs Monaten liegen die Neuzulassungen sieben Prozent im Plus.

Deutschland entwickelte sich mit plus 12,9 Prozent gemäß den Erwartungen und bestätigt die weiterhin positive Dynamik der Nachfrage.

Frankreich verzeichnete ein unerwartet hohes Plus. Es fiel mit 15 Prozent deutlich stärker aus als in Deutschland. Nach sechs Monaten liegen die Neuzulassungen hier um gut sechs Prozent im Plus.

Die Stimmung der Verbraucher ist im Moment sicherlich von der Verunsicherung bezüglich der weiteren Entwicklung in Griechenland geprägt. Umso erfreulicher ist es, dass es bis auf Spanien keinen Rückgang dieses Frühindikators zu verzeichnen gab. Frankreich und Italien befinden sich weiterhin deutlich im negativen Bereich. Nach dem Rückgang im Vormonat in UK ist der Vertrauensindex dort wieder deutlich gestiegen. Der Ausgang der Wahl hat somit wie erwartet eine positive Wirkung auf das Verbrauchervertrauen gehabt.

Beim Industrievertrauen macht sich in allen Ländern die Krise um Griechenland bemerkbar. Bis auf Spanien liegen alle Länder im negativen Bereich. Ganz besonders in Großbritannien scheint die Industrie nicht nur die Griechenland-Krise im Blick zu haben. Der Wahlausgang und die damit verbundenen Risiken bezüglich der Wirtschaftsverbindungen zur EU scheinen zumindest kurzfristig Spuren zu hinterlassen. Bemerkenswert ist der Optimismus der spanischen Industrie, wobei sicherlich die erwarteten erhöhten Konsumausgaben im Rahmen der neu aufgelegten Verschrottungsprämie PIVE 8 eine Rolle spielen.

Aufgrund der erhöhten Nachfragedynamik der letzten Monate und leicht verbesserter wirtschaftlicher Rahmenbedingungen werden in Westeuropa für das Gesamtjahr 2015 circa 12,93 Millionen Neuzulassungen, ein Plus von knapp sieben Prozent gegenüber dem Vorjahr, erwartet.

Diese Entwicklung wird getrieben durch die erwarteten hohen Zuwächse in Spanien (plus 17 Prozent) und in Italien mit plus 12,5 Prozent. Während das Wachstum in Spanien auch durch die mehrmals verlängerte Verschrottungsprämie generiert wird, liegt in Italien ein organisches Wachstum aufgrund eines sehr hohen Nachholpotenzials vor.

Frankreich wird mit knapp sechs Prozent ein unterdurchschnittliches Wachstum aufweisen. Die Nachfrageentwicklung der ersten Monate und ein niedriges Verbrauchervertrauen sprechen im Moment gegen eine stärkere Erholung.

Deutschland wird mit über vier Prozent ebenfalls weniger stark als Westeuropa insgesamt wachsen. Das hohe Angebot an Gebrauchtwagen aufgrund mangelnder Nachfrage aus dem Ausland hat immer noch negative Auswirkungen auf die Neuzulassungen. Außerdem ist der Ersatzbedarfsdruck aufgrund der hohen Neuzulassungen 2009 im Rahmen der Verschrottungsprämie nicht so hoch wie in anderen Ländern.

Großbritannien hat die Krise hinter sich und das Vorkrisenniveau bereits überschritten. So ist für 2015 zwar mit einer weiteren Steigerung zu rechnen, allerdings wird das Plus mit fünf Prozent aufgrund des bereits erreichten Niveaus geringer ausfallen als letztes Jahr. Dennoch ist es das erste Land das sich anschickt, die Verluste seit 2008 zumindest teilweise zu kompensieren.

Auch wenn das Plus von fast sieben Prozent für Westeuropa eine Prognose ist, die vor einigen Monaten noch nicht in dieser Höhe erwartet wurde, werden die Neuzulassungen 2015 dann immer noch um über elf Prozent unterhalb des Vorkrisenniveaus der Jahre 2000 bis 2007 liegen. Es ist zwar nicht zu erwarten, dass das durchschnittliche Vorkrisenniveau auch das Durchschnittsniveau für die nächsten Jahre ist, aber dennoch besteht ein, von Land zu Land unterschiedliches, Nachholpotenzial aus den Jahren seit 2008. Daher ist es vorhersehbar, dass von vielen die Entwicklung für die nächsten Jahre, ähnlich wie in 2015, deutlich unterschätzt wird.

Die größten Abweichungen und damit immer noch die – relativ zum Vorkrisenniveau – niedrigsten Neuzulassungen werden 2015 in Italien und Spanien zu verzeichnen sein. Hier sind auch für die nächsten Jahre die höchsten Wachstumsraten zu erwarten Frankreich dagegen ist schon wieder wesentlich näher an diesem Niveau und hat somit ebenso wie Deutschland einen wesentlich geringeren Nachholbedarf für die kommenden Jahre.

Von den fünf großen Pkw-Märkten hat einzig Großbritannien das Vorkrisenniveau bereits wieder überschritten. Hier haben Nachholeffekte aus dem Ersatzbedarf aufgrund schnellerer wirtschaftlicher Erholung bereits wesentlich früher eingesetzt als in anderen Ländern.

 

Alle Graphiken zu diesem Bericht einschließlich der Gesamtmarktprognosen für die westeuropäischen Einzelländer finden Sie unter:
Graphiken und Prognosen Juni 2015

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