Pkw-Neuzulassungen in Westeuropa: April 2015

Pkw-Neuzulassungen in Westeuropa:
April 2015

Der Erholungsprozess ist stärker als erwartet

Im April 2015 erreichten die Pkw-Neuzulassungen ein Plus von fast sieben Prozent und stiegen auf circa 1,126 Millionen.

Damit ist die Nachfrage zum 20. Mal in Folge gestiegen und nach vier Monaten liegt sie um mehr als acht Prozent über dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum.

Von den fünf großen Märkten erzielte Italien das stärkste Wachstum. Auch wenn es hier in den letzten Monaten eine Reihe von zusätzlichen Mietwagenkäufen im Rahmen der Expo in Mailand gekommen ist, befindet sich die Nachfrage doch in einem robusten Erholungsprozess.

Spanien erreichte nach vielen zweistelligen Zuwachsraten im April “nur“ ein Plus von etwas über drei Prozent. Grund ist das Auslaufen der Verschrottungsprämie PIVE 7, die aber aktuell neu aufgelegt wird. Diese PIVE 8 wird den Markt bis Jahresende positiv beeinflussen.Folie2Großbritannien lag mit plus fünf Prozent ebenfalls über den Erwartungen. Das Auslaufen der Vergünstigungen für abgasarme Flottenfahrzeuge hat sich nicht so negativ bemerkbar gemacht wie vielfach angenommen wurde. Nach vier Monaten liegen die Neuzulassungen in Großbritannien über sechs Prozent im Plus. Dies ist ein etwas geringeres Wachstum als im Durchschnitt der anderen westeuropäischen Länder, allerdings bewegen sich die Neuzulassungen schon seit längerem wieder über dem Vorkrisenniveau.

Deutschland entwickelte sich mit plus 6,3 Prozent ebenfalls besser als erwartet und zeigte im April nach Italien die zweitstärkste Dynamik der fünf großen Pkw-Märkte. Hier nähern sich die Neuzulassungen allmählich dem Vorkrisenniveau: Zum ersten Mal seit der Verschrottungsprämie 2009 lag mit dem April 2015 ein Monat auf der Höhe des vergleichbaren Vorkrisenniveaus.

Frankreich verzeichnete mit einem Plus von gut zwei Prozent das geringste April-Wachstum aller fünf großen Pkw-Märkte. Nach vier Monaten liegen die Neuzulassungen hier um 5,6 Prozent über der Vorjahresperiode.

Außer in Frankreich und Italien ist das Verbrauchervertrauen im positiven Bereich und liegt über dem Vertrauensindex der Industrie. Hier machen sich bei den Unternehmen noch latente Unsicherheiten bezüglich der künftigen wirtschaftlichen Entwicklung bemerkbar.Folie3Die Optimisten in Westeuropa – sowohl bei den Verbrauchern als auch bei der Industrie – befinden sich in Großbritannien.

Aufgrund der erhöhten Nachfragedynamik der letzten Monate und leicht verbesserter wirtschaftlicher Rahmenbedingungen werden in Westeuropa für das Gesamtjahr 2015 zirka 12,83 Millionen Neuzulassungen, ein Plus von fast sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr, erwartet.

Dabei wird Frankreich mit vier Prozent ein unterdurchschnittliches aufweisen. Die Nachfrageentwicklung der ersten Monate und ein relativ niedriges Verbrauchervertrauen sprechen im Moment gegen eine stärkere Erholung.Folie4

Deutschland wird mit über vier Prozent etwas stärker als Frankreich, aber dennoch weniger stark als Westeuropa insgesamt wachsen. Das hohe Angebot an Gebrauchtwagen aufgrund mangelnder Nachfrage aus dem Ausland hat immer noch negative Auswirkungen auf die Neuzulassungen. Außerdem ist der Ersatzbedarfsdruck aufgrund der hohen Neuzulassungen 2009 im Rahmen der Verschrottungsprämie nicht so hoch wie in anderen Ländern.

Italien ist auf einem wesentlich dynamischeren Weg aus der Absatzkrise als Frankreich. Auch wenn die Wirtschaftsprognosen nur ein leichtes Wachstum in diesem Jahr vorhersagen und diskutierte Steuererhöhungen dämpfend wirken, führt der aufgestaute Ersatzbedarf auch in 2015 zu einer Zunahme der Neuzulassungen in Höhe von elf Prozent. Um wie viel höher der Druck aus dem Ersatzbedarf ist, zeigt ein Vergleich mit dem Vorkrisenniveau. Italien liegt dabei um 35 Prozent unter dem Durchschnitt der Jahre 2000 bis 2007, während es bei Frankreich “nur“ 10 Prozent sind.

Großbritannien hat die Krise hinter sich und das Vorkrisenniveau bereits überschritten. So ist für 2015 zwar mit einer weiteren Steigerung zu rechnen, allerdings wird das Plus mit etwas unter vier Prozent aufgrund des bereits erreichten Niveaus geringer ausfallen als letztes Jahr.

In Spanien wird die nun verlängerte Verschrottungsprämie zu einem weiteren Plus von fast 17 Prozent führen. Dabei ist davon auszugehen, dass Anfang 2016 ein negativer Gegeneffekt eintreten wird, sodass die Neuzulassungen 2016 niedriger ausfallen werden als in diesem Jahr.Folie5Auch wenn das Plus von sechs Prozent für Westeuropa eine Prognose ist, die vor einigen Monaten noch nicht in dieser Höhe erwartet wurde, werden die Neuzulassungen 2015 dann immer noch um mehr als zwölf Prozent unterhalb des Vorkrisenniveaus der Jahre 2000 bis 2007 liegen.

Die größten Abweichungen und damit immer noch die – relativ zum Vorkrisenniveau – niedrigsten Neuzulassungen werden in Italien und Spanien zu verzeichnen sein. Frankreich dagegen ist schon wieder wesentlich näher an diesem Niveau und hat somit ebenso wie Deutschland einen wesentlich geringeren Nachholbedarf für die kommenden Jahre.

Folie6Von den fünf großen Pkw-Märkten hat einzig Großbritannien das Vorkrisenniveau bereits wieder überschritten. Hier haben Nachholeffekte aus dem Ersatzbedarf aufgrund schnellerer wirtschaftlicher Erholung bereits wesentlich früher eingesetzt.

 

Eine tabellarische Übersicht aller Einzelmärkte finden Sie unter: Tabelle Westeuropa.

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