Dieselprämie: Umweltaktion, Marketingclou oder Mogelpackung?

Die “Diesel-Eintausch-Prämie“:
Umweltaktion, Marketingclou oder Mogelpackung?

Auf jeden Fall ein guter Deal für viele Autowechsler mit alten Dieseln.

Dieselprämie – Eine Analyse

Die von den automobilen Herstellern nach dem Diesel Gipfel  beworbene Eintausch-Prämie für ältere Diesel Fahrzeuge mit EURO I bis IV hat viele Namen. Besonders häufig wird das Wording „Umwelt-, ECO- und Green-Deal Prämie“ oder “Umtausch-, Umsteiger-, Eintausch- und Wechselprämie“ verwendet. Aber auch kreativere Namen wie “Bye-Bye-Bonus“  von Skoda sind zu finden.

So vielfältig wie die Namen der Dieselprämie, so vielseitig sind auch die Vereinbarungen, die zum Bezug dieser Dieselprämie berechtigen. Deshalb heißt es die Konditionen bei den einzelnen Marken genau zu erfragen und vertraglich zu fixieren, um unliebsame Überraschungen beim Endpreis des Neuwagens unter Einrechnung der erwarteten Boni und Prämien zu vermeiden.

Je nachdem welchen Gesichtspunkt man teilt, ist die Diesel-Eintausch-Prämie sicherlich mehr Umweltaktion, Marketingclou oder Mogelpackung. Ein bisschen Wahrheit ist von allen dabei!

Umweltaktion: Die Hersteller stellen gerne den Umweltaspekt in den Vordergrund. So bekommen wir die Diesel der alten Generation schneller von der Straße. Dies ist ein erster Schritt in die richtige Richtung.

Marketingclou: Die Marketingexperten sehen in der Diesel-Eintausch-Prämie eine gelungene Marketingaktion. Zunehmende Auftragseingänge bei den beteiligten Automarken scheinen ihnen recht zu geben. Dabei ist zu berücksichtigen, dass höhere Prämien tendenziell auf schwerer zu verkaufende Modelle gezahlt werden. Bei diesen Modellen kann der Kunde sowieso schon gute Nachlässe erzielen.

Mogelpackung: Insbesondere Umweltaktivisten und Verbraucherschützer sehen in der Dieselprämie gar eine Täuschung der Verbraucher.  So wird bei einigen Herstellern nicht nur auf die Verschrottung sondern auch auf einen möglichen Weiterverkauf der älteren Diesel (generell EURO IV) diese Prämie gezahlt. Zudem wird nicht nur der Neukauf von Fahrzeugen mit alternativen Antrieben gefördert, sondern auch der von klassischen Verbrennern wie Benziner und neuerer Diesel. Hier ist ein klares Bekenntnis zu den Hybriden und reinen eMobilen gewünscht.

meos hat eine aktuelle Analyse der Diesel-Eintausch-Prämien nach Marken auf dem deutschen Markt durchgeführt, die zu einigen Überraschungen geführt hat. Eine Übersicht nach den 26 volumenstärksten Marken in den ersten sieben Monaten 2017 in Deutschland zeigt die unterschiedlichen Bedingungen zum Erhalt der „Diesel-Eintausch-Prämie“ nach Marken auf.

Die wichtigsten Erkenntnisse der meos Analyse sind:

  • Von den 26 volumenstärksten Marken in Deutschland (Marktanteil 97,9%) beteiligen sich zurzeit 20 Marken an der Diesel-Eintausch-Prämie, wobei alle Volumenhersteller dabei sind.

  • Die Spanne der monetären Dieselprämien reicht von 1.750 Euro bis 11.785 Euro pro Fahrzeug, abhängig von dem ausgewählten Modell.

  • Die größte Dieselprämie zahlt Audi in Höhe von 11.785 Euro für den Erwerb eines Q7 e-tron, die kleinsten Prämien zahlen Mercedes und BMW mit jeweils Euro 2.000 über alle zu fördernden Neufahrzeuge.

  • Manche Hersteller nehmen von dieser Aktion ganze Modellreihen aus, wie zum Beispiel Ford mit rund 6 Modellspezifikationen oder Mercedes, das die Neuwagenauswahl auf alle Diesel-Modelle der EU6- Norm sowie die Plug-In Hybride begrenzt.

  • Audi hat eine Besonderheit, da es seine Umweltprämie auch auf seine „jungen Gebrauchtwagen“ zahlt, bis zu 7.500 Euro je nach Modell.

  • Auch beim Aktionszeitraum heißt es Augen auf. Generell läuft der Aktions-zeitraum bis Ende 2017 und es zählt das Datum des Kaufvertrages. Zum Beispiel gilt bei Renault als letztes Datum des Kaufvertrages der 31. 10. 2017 und als letztes Zulassungsdatum der 31.12. 2017.

  • Toyota zahlt seine „Diesel-Eintausch-Prämie“ in Höhe von Euro 4.000 nur für seine Hybridmodelle. Da Toyota über ein umfangreiches Modellangebot an Hybriden verfügt, kann der Umweltaspekt hier werbewirksam eingesetzt werden.

  • Aber auch Nissan mit seinen Modellen LEAF und e-NV200 zahlt die Prämie nur beim Kauf eines Hybrid/ eMobils.

  • Keine „Diesel-Eintausch-Prämie“ gibt es bislang bei Dacia, Mitsubishi, Volvo, Suzuki, Porsche und Land Rover. Aber was noch nicht ist, kann ja noch werden.

  • Marken, die keine „Diesel-Eintausch-Prämie“ anbieten, haben oft andere Aktionen laufen, wie zum Beispiel Suzuki mit seinen „Allradwochen“, wo attraktive Angebote anderer Art zum Kauf locken.

  • Die „Diesel-Eintausch-Prämie“ wird generell nicht verrechnet mit anderen staatlichen und herstellerbezogenen Kaufanreizen, wie zum Beispiel dem Umweltbonus von elektrifizierten Fahrzeugen, sondern gilt zusätzlich.

  • Es gibt erste Anzeichen, dass einige Marken eine Verlängerung des Aktionszeitraumes planen. Und auch bei den Konditionen scheint es durchaus zu Sonderausnahmen zu kommen, zum Beispiel bei den Haltereinträgen, wo Halter des Alt- und Neufahrzeugs abweichen können, wenn eine verwandtschaftliche Beziehung vorliegt.

Fazit:

Der Besitzer eines alten Diesel, der über kurz oder lang seinen alten Diesel ersetzten möchte, kann durchaus zu einem guten Deal kommen. Eine Analyse beim Handel vor Ort zeigt, dass Ersparnisse von über 30% gegenüber der UVP möglich sind. Bei Vermittlungen über das Internet beim Fachhandel sind auch schon mal Discounts von über 40% bei einzelnen Marken und Modellen möglich.

Jedoch liegt der Teufel im Detail und deshalb sollte man sich genau über die geltenden Konditionen und Bedingungen eines Fahrzeugwechsesl unter Einbezug der „Diesel-Eintausch-Prämie“ informieren. Für viele Käufer ist es dann egal ob sein Deal eher als Umweltaktion, Marketingclou oder Mogelpackung von Dritten postuliert wird.

 

Beispieldatei zur Analyse der Diesel-Eintausch-Prämie

Für die ausführlichen Analysen mit allen Marken und weiteren Hintergrundinformationen kontaktieren Sie uns unter:
meos.info@t-online

 

 

 

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